Weinstübchen


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Gutedel

kleines Wein-Lexikon

Der Gutedel, der in der Schweiz und Frankreich Chasselas heißt, ist die meistangebaute Rebsorte der Schweiz und im Markgräflerland.
6.7 Ampelographische Beschreibung
In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:
Die Blätter der Pflanze sind mittelgroß, hellgrün, rotgeadert, stark fünflappig, tief gebuchtet und haben einen stumpf gezahnten Rand. Das Holz ist rötlichbraun, deutlich gestreift und dunkel gefleckt. Die Trauben sind groß und lockerbeerig mit zarter Beerenhaut.
Beim Gutedel besteht eine Anfälligkeit gegen Stiellähme, der durch geeignete Kulturmaßnahmen entgegengewirkt werden kann.
6.8 Verbreitung
Als Tafeltraube ist der weiße und rote Gutedel weltweit verbreitet. Größtes Anbaugebiet für Tafeltrauben ist die Türkei. Gekeltert wird der Gutedel in der Westschweiz (Bezeichnung Fendant im Wallis, Chasselas in den übrigen Gebieten), im Elsass, im badischen Markgräflerland sowie teilweise auch in Rumänien (ca. 13.000 Hektar), Ungarn (ca. 6000 Hektar) und Tschechien.
Die bekanntesten Chasselas-Weine der Schweiz (4.013 Hektar bestockter Rebläche (Stand 2009, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG 1). Im Jahr zuvor lag die Fläche bei 4.073 Hektar. (Stand 2008, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG 2).) sind der Fendant, der Aigle, der Epesses (inklusive Calamin und Dézaley), der Mont-sur-Rolle und der Féchy. In Frankreich schließt sich auf der südlichen Seite des Genfersee das Weinbaugebiet Crépy an.
Siehe auch die Artikel Weinbau in Deutschland, Weinbau in der Schweiz, Weinbau in Frankreich (1.676 Hektar, Stand 2007, Quelle ONIVINS 3, 4), Weinbau in Italien, Weinbau in Rumänien, Weinbau in Ungarn, Weinbau in Chile (Hauptsächlich in der Región del Bío-Bío, 403 Hektar, Stand 2006) 5 und Weinbau in Tschechien sowie die Liste der Rebsorten.
6.8.1 Deutschland
In Deutschland waren im Jahr 2007 1129 Hektar (1,1 % der Gesamtfläche) 6 mit der Rebsorte Gutedel bestockt. Im Jahr 2006 waren 1123 Hektar 7 Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 1999 noch 1195 Hektar 8 erhoben wurden.
Hauptanbaugebiet des Gutedels in Deutschland ist das Markgräflerland. Markgraf Karl-Friedrich von Baden brachte die Gutedel-Rebe um 1780 vom schweizerischen Vevey am Genfersee ins badische Markgräflerland, da hier ideale klimatische Bedingungen vorliegen: heiße und trockene Tage im Hochsommer gepaart mit nächtlichen kühlen Fallwinden von den Bergen des Südschwarzwaldes bekommen der Rebsorte gut. Ferner findet man den Gutedel auch an der Unstrut.
Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr -
Baden 1.098
Franken unter 0,5
Hessische Bergstraße -
Mittelrhein -
Mosel -
Nahe -
Pfalz 2
Rheingau -
Rheinhessen 1
Saale-Unstrut 24
Sachsen 5
Stargader Land -
Württemberg unter 0,5
TOTAL Deutschland 2007 1129
Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, Seite 198ff. 9
6.9 Qualität
Der Wein ist ein leichter, süffiger, frischer, fruchtbetonter und anregender Weißwein von blassgelber Farbe, der überwiegend trocken - das heißt nicht süß - ausgebaut wird. Er eignet sich als Begleiter zum Essen, beispielsweise zu Spargelgerichten, aber auch als Zechwein.
Die Trauben des Roten Gutedels ergeben bei einer Maischegärung einen Roséwein, der sich aber ansonsten nicht vom Weißwein unterscheidet.

6.10 Geschichte

Der Gutedel gilt als eine der ältesten Rebsorten. Es wird häufig kolportiert, der Gutedel solle seinen Ursprung in Ägypten haben, wo er seit rund 5.000 Jahren angebaut werde. Mehrere Formen des Gutedels seien noch heute in der Oase Fayyum, rund 70 Kilometer südwestlich von Kairo zu finden. Die Römer sollen die Rebsorte dann nach Europa gebracht haben.
Eine andere Interpretation legt den Ursprung der Rebsorte innerhalb der Region Palästina in das Tal des Jordan.
Die These eines Ursprungs in Ägypten stammt vom französischen Ampelograph Adrien Berget, der die Rebsorte im Jahr 1932 dort wiedererkannt zu haben glaubte. Diese These wurde später von Henry Wuilloud (1947) verteidigt. Erst später entstand die Behauptung, die Sorte sein in Fayyum seit 5000 Jahren bekannt.
Aber die Bepflanzung der königlichen Gärten von Fontainebleau und Thomery boten Anlass für viele Spekulationen. So behauptet Vicomte d'Aulan nach Durchsicht von Unterlagen der französischen Botschaft in Konstantinopel, ein französischer Diplomat im Dienste von König Franz I. habe Gutedel-Sämlinge im Jahr 1532 nach Frankreich importiert. Diese Unterlagen wurden jedoch bislang nicht mehr aufgefunden. Zudem scheint die Rolle von Franz I. bei der Verbreitung des Gutedels verfälscht, da die Rebpflanzungen in den königlichen Gewächshäuser erst im späten 17. Jahrhundert angelegt wurden.
Eine umfangreiche DNA-Analyse konnte einen Hinweis auf eine Verwandtschaft mit Rebsorten aus Ägypten bzw. Palästina nicht finden. Gutedel sei hingegen mit autochthonen Rebsorten des Alpenraums im Osten Frankreich, der Schweiz sowie dem Norden Italiens verwandt. 10
6.10.1 Erste schriftliche Erwähnungen
Marcel Aeberhard vermutet, dass der Gutedel unter den Namen Gross Fränkisch, Edeldrauben bzw. Lautterdrauben im 1539 erschienenen Das Kreütter Buch, Darinn Underscheidt, Namen vnnd Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken vnnd Beumen, sampt jhren Früchten, so inn Deutschen Landen wachsen Durch H. Hieronymum Bock auss langwiriger vnd gewisser erfarung beschrieben des pfälzischen Botanikers Hieronymus Bock erwähnt wird 11 Aeberhard begründet dies damit, das:
" der Name Edel später im heute geläufigen Gutedel aufging. Der Name Gutedel wird in der 1650 posthumerschienen Historia Plantarum Universalis des Basler Arztes und Botanikers Johann Bauhin (1541-1612) erwähnt.
" Der Name Lautterdrauben finde sich noch in den bis in die Mitte des 19. jahrhunderts geläufigen Synonymen Luter, Wyssluter sowie Gutluter wieder.
Die Bezeichnung Chasselas läßt sich bis auf das Jahr 1654 zurückverfolgen. Nicolas de Bonnefons erwähnt diese Sorte in seinem Werk Les délices de la campagne. Es erscheint als gesichert, das der Name Chasselas im direkten Zusammenhang mit dem Ort Chasselas steht, wo Sämlinge angebaut wurden.
Unter dem Namen Fendant finden sich Einträge ab dem frühen 18. Jahrhundert; zunächst im Waadtland und erst später im Wallis. Eine größere Verbreitung im Wallis erfuhr die Sorte erst ab 1848.
6.10.2 Verbreitung in Deutschland
Belege für seine Nutzung auf deutschem Boden stammen aus der Zeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Gutedel wurde zuerst in Württemberg und Franken angepflanzt, ein Jahrhundert später in Sachsen.
Eine größere Verbreitung innerhalb Deutschlands erfuhr der Gutedel erst durch die Aktivitäten des Markgrafen Karl Friedrich von Baden, der 1780 aus Vevey, einer bekannten Weinbaugemeinde am Genfer See, Pflanzgut in die Gegend südlich von Freiburg, dem heutigen Markgräflerland einführte.
6.11 Kreuzungen und Neuzüchtungen
Aufgrund seiner frühen Reife und seiner Qualitäten wurde Gutedel gerne als Kreuzungspartner genutzt.
Muskat-Ottonel ist eine Kreuzung aus Gutedel und entweder Muscat précoce de Saumur, Muscat d'Eisenstadt oder Roter Muskateller.
Im Jahr 1927 entstand an der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey durch Georg Scheu die Rebsorte Huxelrebe als Kreuzung aus dem Gutedel x Courtillier Musqué.
Nobling ist eine Neuzüchtung, die durch Kreuzung der Rebsorten Gutedel und Silvaner im Jahr 1940 im staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg im Breisgau entstanden ist.
Ab 1968 züchtete man am gleichen Institut die Rebsorte Johanniter als Kreuzung zwischen Riesling x (Seyve Villard 12-481 x (Ruländer x Gutedel)).
Bis vor Kurzem war angenommen worden, dass die Sorte Madeleine Royale ein Sämling des Gutedels ist. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Madeleine Royale eine Kreuzung des Pinot und Trollinger ist.


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